Was ist virtuelle Realität?

Oktober 2020

Virtuelle Realität ist, wenn ich ganz arglos in meinem Wohnzimmer sitze und mein Neffe plötzlich sagt: „Da sitzt fei ein Pokemon genau neben dir.“ - „Iiiih, mach’s weg!!!“
So ist sie nämlich, die virtuelle Realität, sie ist einfach da, und wenn man dann wissen will, wer das blöde Ding überhaupt reingelassen hat, dann will’s wieder keiner gewesen sein.
Das Wort kann übrigens nix dafür:


Virtuell (v. lat. virtus, Tugend, Tauglichkeit), im physikalischen Sprachgebrauch eine in der Möglichkeit vorhandene Eigenschaft, die unter gewissen Umständen in die Wirklichkeit zu treten vermag

So sagt man z. B., die gespannte Sehne einer Armbrust besitze „virtuelle Energie“ (Arbeitsfähigkeit), weil sie, wenn losgelassen, den Pfeil fortzuschleudern vermag, indem sich dabei die in der ruhenden Sehne gleichsam schlummernde virtuelle Energie in die aktuelle oder tätige Energie (Bewegungsenergie) des dahinfliegenden Pfeiles verwandelt. (Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, s.v.).


Nach dieser Definition könnte also der „virtuelle Unterricht“, von dem im Moment auf einmal alle so merkwürdig begeistert sind, darin bestehen, dass man den Studis mitteilt: Ich könnte euch jetzt unterrichten, ich mach’s aber nicht - ätschibätschi!
Dann wär ich übrigens auch dafür.

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