Etymologie

Kamille

Mhd. kamilla, gamille, nhd. Kamille f. "Echte Kamille, Matricaria chamomilla L." ist aus mlat. camomilla, chamomilla f. "ds." entlehnt worden, wobei nicht zu entscheiden ist, ob die Haplologie schon im Lateinischen oder erst im Deutschen erfolgt ist. Das lat. Wort geht auf griech. χαμαί-μηλον n. [khamaí-mêlon] "Erd-Apfel" zurück. Nach Plinius und Dioskurides soll der apfelähnliche Geruch der Kamille das Benennungsmotiv sein (Pfeifer 1993: 612; Kluge/Seebold 2011: 467; Genaust 1989: 146; EWA 2013: 367f.). Das ist insofern eigenartig, als die verschiedenen Apfelsorten ja sehr verschiedene Duftnuancen aufweisen, während die Echte Kamille einen spezifischen und unverwechselbaren Geruch hat. Es wäre also näherliegend, eineApfelsorte nach der Kamille zu benennen als umgekehrt. Bislang hat sich aber noch keine Alternativerklärung für das Wort Kamille finden lassen; das apfelrunde Blütenköpfchen wäre als Benennungsmotiv wohl zu blass.

Lit.
EWA 2013: Rosemarie Lühr, Etymologisches Wörterbuch des Althochdeutschen Band V: iba - luzzilo, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Genaust 1989: Helmut Genaust, Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Ausgabe. Basel: Springer.
Kluge/Seebold 2011: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, bearbeitet von Elmar Seebold, 25. Auflage, Berlin: de Gruyter.
Pfeifer 1993: Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, 2. Auflage, Berlin: Akademie-Verlag.