Etymologie

Delikt

Delikt n. „ungesetzliche, strafbare Handlung, Straftat“ ist im 18. Jh. aus lat. dēlictum „Fehler, Vergehen, Gesetzesübertretung“, dem substantivierten lexikalisier­ten Part. Perf. Pass. von lat. dēlinquere „zurücklassen, Fehler begehen, sich vergehen“ entlehnt. Der früheste ermittelbare Beleg für Delikt als Lehnwort (nicht in mittellateinischen Texten) stammt gegen Pfeifer s.v. Delikt aus dem Jahre 1790: der Unterthan wird daher unstreitig seine ausser Landes gelegene Güter unverletzt behalten, wenn derselbe auch nach dem statutarischen Recht seines Wohnorts sein Vermögen, wegen begangenen Delicts, verwirkt haben sollte (Christian Friedrich von Glück, Versuch einer ausführlichen Erläuterung der Pandecten nach Hellfeld ein Commentar für meine Zuhörer. Erlangen 1790, nach DWDS). Delikt fehlt in DRW. Zu Delikt gehört Delinquent „Straftäter“, das ebenfalls bereits im Lateinischen in der Be­deutung „Verbrecher“ lexikalisierte substantivierte Part. Präs. Akt. dēlinquēns, Pl. ­lin­­quentes „jemand, der sich vergeht“. Das Wort ist im 16. Jh. ins Deutsche über­nommen worden; der erste ermittelbarer Beleg aus dem Jahre 1554: Der delinquent soll … anstatt von 12 von 30 mann begleitet werden, welche scharf beladen haben sollen (Zivilrecht Bern, nach FrnhdWb s.v. delin­quent). Zugrunde liegt eine in vielen indogermanischen Einzelsprachen bezeugte uridg. Wurzel *leik- „zurücklassen, sich entfernen von“. Ausgangspunkt für die nur im Lateinischen für diese Wurzel nachweisbare semantische Übertragung ist das sich-Entfernen von Moral und Recht, eine semantische Parallele ist lat. crīmen „Verbrechen, Frevel“ (s. Kriminalität), das von lat. cernere „sich absondern, trennen, sich unterscheiden“ abgeleitet ist.

Literatur:
De Vaan, Michiel 2008: Etymological Dictionary of Latin and the other Italic Languages. Leiden, Boston: Brill. (Leiden Indo-European Etymological Dictionary Series 7). 
DWDS = Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20.Jahrhunderts. www.dwds.de. 
Goebel, Ulrich/Reichmann, Oskar 1986–: Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. Begr. von Robert R. Anderson, Ulrich Goebel, Oskar Reichmann. Bd. 1–. Berlin u.a.: de Gruyter. 
Kluge, Friedrich 2011: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Begr. Friedrich Kluge, Bearb. Elmar Seebold. 25., durchges. und erw. Auflage. Berlin u.a.: de Gruyter. 
Pfeifer, Wolfgang (Hg.) 1993: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 2 Bde. 2., durchges. u. erg. Aufl. Berlin: Akad. Verl.
Rix, Helmut/Kümmel, Martin 2001: Lexikon der indogermanischen Verben: die Wurzeln und ihre Primärstammbildungen. Unter Leitung von Helmut Rix und der Mitarbeit vieler anderer bearb. von Martin Kümmel, Thomas Zehnder, Reiner Lipp, Brigitte Schirmer. 2., erw. und verb. Aufl., bearb. von Martin Kümmel und Helmut Rix. Wiesbaden: Reichert.

Autorin: Sabine Ziegler