Etymologie

Gefängnis

Gefängnis n. „Gebäude, Anstalt für Häftlinge mit zeitlich begrenzter Frei­heits­strafe, die unter leichteren Haftbedingungen verbüßt wird“, ein Verbalabstraktum bzw. eine Kollektivbildung zu (ge‑)fangen, bedeutete zuerst „Gefangennahme, Gefan­genschaft“, so in mhd. gevancnisse, gevencnisse, ‑nüsse n. Erst im Frühneuhoch­deutschen ist die Bedeutung „Gefängnis“ als Ort des Gefangenseins neben „Gefan­gennahme, Gefangenschaft“ nachweisbar: nicht weit hiervon war in einer stadt ein spannischer hauptmann, welcher einen vom adel hette ins gefängnus geworfen. Es liegt also eine metonymische Übertragung von der HANDLUNG auf den ORT DER HANDLUNG vor. Das der Ableitung Gefängnis zugrunde liegende Verb fangen ist als ahd. fâhan seit ca. 800 bezeugt. Bei der zugrunde liegenden uridg. Wurzel *peh2k- „fest­machen“ ist also ein Bedeutungswandel von „festmachen“ zu „festhalten, fangen“ eingetreten, der auch in jav. paiti auua.⁺pasā „er soll zusammenfesseln“ (s. Kellens 1984: 107-109 und Anm. 14) sowie einigen nominalen Ableitungen, etwa aind. pā́śaḥ „Schlinge, Band, Kette“, auftritt.

Literatur:
Goebel, Ulrich/Reichmann, Oskar 1986–: Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. Begr. von Robert R. Anderson, Ulrich Goebel, Oskar Reichmann. Bd. 1–. Berlin u.a.: de Gruyter.
Grimm, Jacob/Grimm, Wilhelm 1854–1954: Deutsches Wörterbuch. Bd. 1–16 (und Quellenverzeichnis, 1971). Leipzig: Hirzel. (Nachdruck der Erstausgabe 1999: Bd. 1–33) München: Deutscher Taschenbuch-Verlag. Auch als CD-ROM 2004: Der digitale Grimm. Frankfurt am Main: Zweitausendeins. Auch unter: www.woerterbuchnetz.de.
Kellens, Jean 1984: Le verbe avestique, Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert Verlag.
Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 3 Bde. Leipzig 1872-1878. 
Mayrhofer, Manfred 1992–2001: Etymologisches Wörterbuch des Altindoarischen. 3 Bde. Heidelberg: Winter. Rix, Helmut/Kümmel, Martin 2001: Lexikon der indogermanischen Verben: LIV; die Wurzeln und ihre Primärstammbildungen. Unter Leitung von Helmut Rix und der Mitarbeit vieler anderer bearb. von Martin Kümmel, Thomas Zehnder, Reiner Lipp, Brigitte Schirmer. 2., erw. und verb. Aufl., bearb. von Martin Kümmel und Helmut Rix. Wiesbaden: Reichert.
 
Autorin: Sabine Ziegler